Lieber Admin !
Die Frage ist doch, was gewerblich ist…und das Leben ist so bunt wie eine Sommerwiese…da gibt es alles, was man sich denken und nicht denken kann.
Nehmen wir an, ein Vertreter ist von Mo bis Fr auf der Straße und fährt jeden Tag in einem Gebiet von 200 oder 300km umeinander. Er muss niemanden mitnehmen, weil er die Karre bezahlt bekommt bzw. weil sie Teil seiner Betriebsausgaben ist, wenn er eigenverantwortlich wirtschaftet. So jemand hat ein hohes Fahraufkommen. Wenn er immer inseriert, wird man schnell denken, er sei gewerblich unterwegs. Ist er ja auch, aber nicht zu dem Zweck, Leute zu transportieren. Jetzt wird es schon schwierig: Erkläre ich seine vielen Fahrten zu einem Gewerbe oder ist es nicht so, dass auch hier gilt, was eigentlich immer gilt: Er fährt sowieso - warum soll er das leer tun ?
Anderer Fall: Jemand arbeitet im Schichtdienst - hat also unregelmäßige Arbeitszeiten. Mal abends, mal morgens, mal nachts. Und er arbeitet für ein oder zwei Jahre in 250km Entfernung. Und er zieht auch nicht dort hin um, weil er weiß, dass es nur vorübergehend ist - oder weil er zum Beispiel eine Eigentumswohnung besitzt und nicht auch noch Miete für eine temporäre Zweitwohnung zahlen will. Vielleicht hat er auch Frau und Kind zu Hause und legt wert auf das Familienleben…alles Gründe zu pendeln, auch wenn es 250km sind. Der wird auch drei, vier mal in der Woche inserieren. Ist das gewerblich ? Auch derjenige fährt sowieso und nicht wegen der Mitfahrer.
Nächster Fall: Jemand hat übers Internet seine Freundin kennengelernt. Sie wohnt 200km entfernt und hat Kinder, die noch bei ihr zu Hause wohnen. Zusammenziehen ist deshalb nicht möglich… blöd ist auch noch, dass die Freundin kein Auto hat. Also fährt er jeden zweiten Tag hin, übernachtet dort und fährt wieder heim…Und weil sich an den Verhältnissen nichts ändert, bleibt das über Monate / Jahre so. Ist das auch gewerblich ?
Man sieht…es sind schnell Situationen da, die aussehen, als wären sie gewerblich, sind es aber nicht. Und genau hier sehe ich die Probleme, die man mit dieser Hexenjagd ruft. Durch diese „Kontrollen“ nämlich, muss man erst einmal definieren, was „normal“ ist und was nicht. Und genau hier gehen die Ansichten weit auseinander.
Ich freue mich deshalb über solche Nachrichten nicht, denn ich weiß: Das gezielte Suchen nach „Schwarzfahrern“ bedeutet als allererstes, dass man festlegt, was „normal“ ist. Und damit hat man ein Raster durch das auch diejenigen durchfallen können, die keine „Schwarzfahrer“ sind.
Und jetzt will ich noch etwas letztes anmerken, was indirekt mit der hier diskutierten Thematik zu tun hat. Und das wissen all diejenigen, die nicht nur ein oder zwei mal im Monat eine Fahrt anbieten:
Mitfahrer haben Ansprüche: Sie wollen abgeholt werden oder zumindest einen gut erreichbaren Treffpunkt. Will es der Fahrer ihnen hier recht machen, dann muss er ggf. von seiner Strecke abweichen, also einen Treffpunkt akzeptieren, der nicht unmittelbar an seiner Strecke liegt, sondern der einen „Schlenker“ erfordert. Das verlängert seine Reisezeit und kostet ihn extra Sprit und Verschleiss. Auch wollen die Mitfahrer, dass der Fahrer pünktlich den Treffpunkt erreicht. Mitfahrer wollen schnell von a nach b kommen. Sie sind für eine zügige Fahrweise dankbar - Sprit sparen iss nicht. Im Stau stehen wollen sie auch nicht - und die Wahl einer Alternativroute mögen sie eigentlich auch nicht. Mitfahrer wollen möglichst wenig bezahlen und sie wollen, dass möglichst nicht alle Plätze im Auto belegt sind. Das der Fahrer ein geübter Fahrer ist wollen sie auch und dass das Auto sauber und technisch in Ordnung ist, wollen sie sowieso. Auf Verlangen wollen sie Pausen und möglichst nette Sitznachbarn…
Will damit sagen: Es gibt eine ganze Liste an Punkten, die sich der Mitfahrer wünscht. Und je mehr solcher Punkte es gibt, umso mehr können Dinge nicht so sein, wie es sich der Mitfahrer vorstellt. Denn das Leben ist nun mal bunt und manches von dem was ich gerade aufgezählt habe, hat der Fahrer gar nicht in der Hand. Verständlich, dass die Mitfahrer das alles wollen, aber es ist eben nicht immer alles machbar. Zum Beispiel kennt der Fahrer die Körpervolumina seiner Mitfahrer nicht - folglich weiß er gar nicht, ob das Auto dann einfach nur voll oder ranmelvoll ist. Ob einer der Mitfahrer stinken wird oder frisch geduscht ist. Und hier geht dann der Ärger los. Und wer kriegt den ab ? Natürlich nicht der andere Mitfahrer, sondern der Fahrer. Der mutiert dadurch schnell zum Mädchen für alles. Und wenn jetzt auch noch die Vermittlungsseite kommt und mich durch ein Raster zwängt um mir zu sagen, was „normal“ ist und was nicht, dann wird der Bogen entgültig überspannt. Dann stehen die paar Euro Tankhilfe nicht mehr im Verhältnis zu all dem, was ich an Nachteilen dulde. Und genau dorthin kommt man, wenn die Vermittler jetzt auch noch meinen, dass sie Bedingungen und Kriterien aufstellen müssten, wie inseriert werden muss, was inseriert werden muss usw… Bei mitfahrgelegenheit ist dies der Umstand, dass man wissen will, wieviele Plätze vermittelt wurden umsodann die Hand aufhalten zu können - dort gibt es deshalb ein Regelkorsett, wie die Vermittlung aussieht. Na danke, da haben wir alle drauf gewartet.
Und was diejenigen Fahrer angeht, die das gewerbliche Spiel mit den VW Bussen treiben: Mag sein, dass man die nicht will. Aber, sehen wir die Sache doch mal so wie sie ist:
Rational betrachtet gibt es die doch nur deshalb, weil sie offensichtlich ihre Busse voll kriegen. Wäre dem nicht so, dann würde das ganz schnell aufhören - von allein. Und warum hört es nicht von selbst auf ? Ja weil es offenbar nicht genug angebotene Plätze gibt. Offenbar gibt es zu manchen Zeiten auf manchen Strecken mehr Leute die mitfahren wollen, als Leute, die selbst fahren und Plätze anbieten. Was wäre also, wenn es diese Bustypen nicht geben würde ? Naja - ganz einfach: Es gäbe ettliche, die statt MFG mit dem Zug reisen müssen.
Ich weiß, dass man jetzt entgegnen könnte: Die Busse werden voll, weil die weniger verlangen als der normale PKW Fahrer, der sowieso fährt. Aber an wem liegt das ? Das liegt doch am Mitfahrer, oder nicht ? Wenn ich für eine Strecke nüblicherweise 20 Euro zahle und jetzt inseriert einer das für 14 Euro, dann ist doch klar, dass das jemand ist, der einen Bus hat und den voll hauen will. Wer ist es denn, der zuerst beim 14 Euro Angebot anruft ? Das ist doch der Mitfahrer, oder täusche ich mich da ?
Und offenbar ist es so, dass es den Mitfahrer nur in zweiter Linie interessiert, ob das ein Busfahrer ist oder nicht…die 14 Euro sind ihm erst einmal wichtig. Und hinterher steigt er aus, vergisst dass er es selbst war, der den billigen Tarif allen anderen Aspekten vorgezogen hat und schimpft: „Scheiss Busfahrer“.
Und jetzt gibt es Mitfahrseiten, die genau diese Busfahrer bekämpfen - und nebenbei gleich mit diejenigen, die kein „normales“ Inserierverhalten zeigen. Ich glaube man kann verstehen, warum mir das nicht gefällt.
Gruß Matze